Darmstädter Echo
Von der Idee zum Prototypen
Unternehmen im Gespräch – Darmstädter B&S Zerspanungstechnik sucht sich Nischen im Spezialmaschinenbau
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VON BETTINA PFEFFERMANN
Super-Ideen in die Tat umzusetzen, das ist für Franz Jürgen Benz (50) eine Herausforderung, die er gerne annimmt. Derzeit verhandelt der Diplom-Ingenieur mit Fachrichtung Kunststofftechnik mit zwei Darmstädter Design-Studenten über die Verwirklichung ihrer pfiffigen Studien. Mehr kann Benz nicht verraten, doch sein Engagement für dieses Projekt lässt durchblicken, dass hier demnächst Prototypen vorgestellt werden können. Prototypen bauen, das mache einen Riesenspaß, bekennt er. Und das sei auch ein Grund, warum er mit seinem Zulieferbetrieb für den Spezialmaschinenbau zum Standort Deutschland stehe: Hier gebe es Mitarbeiter mit hoher Qualifikation.
Individuelle Lösungswege für den Kunden
Der Inhaber der Darmstädter B&S Zerspanungstechnik setzt gerade sein eigenes „BENZ-Projekt“ um: Beratung, Engineering, Nutzen und Ziel. Dahinter steckt seine Idee, den Kunden mit seinem Team individuelle Lösungswege aufzuzeigen – von der Idee bis zum Endprodukt alles aus einer Hand – eben weg vom klassischen Zerspaner.
Seinen Hang zu ungewöhnlichen Lösungen hat er bereits bei seinem früheren Arbeitgeber, einem italienischen Süßwarenkonzern, ausleben dürfen. Dort war er in einem Team, das neue Verpackungen für Pralinen oder den Inhalt von Überraschungseiern entwarf. „Eine interessante Geschichte“, resümiert er. Zumal er häufiger in Asien unterwegs war und eigenständig arbeiten konnte. Doch irgendwann seien Techniker in der Entwicklungsabteilung fehl am Platz gewesen und Benz sagte sich: „Ok, das war es dann.“ Kurz zuvor hatte er sich bereits mit einem Ingenieurbüro selbstständig gemacht.
Für ihn stand es schon immer fest, dass er einmal diesen Schritt gehen würde. Im Juli 2004 übernahm er dann die Brezina & Schreiber (B&S) Zerspanungstechnik in Darmstadt-Arheilgen. Herbert Schreiber trennte sich aus Altersgründen von seinem Handwerksbetrieb. Die 1960 gegründete Firma war auf die Reparatur von Maschinenteilen und das Anfertigen von Sonderteilen für den Maschinen- und Anlagenbau spezialisiert. Zwei Mitarbeiter und den nicht mehr ganz so modernen Maschinenpark übernahm Benz gleich mit. Nicht ahnend, dass ihm noch so allerhand bürokratische Hürden in den Weg gelegt werden würden. Dagegen hatte er zu seiner Hausbank, der Sparkasse Darmstadt, von Anfang an ein recht gutes Verhältnis, was die Finanzierungen anging.
Im Oktober 2006 folgte dann der Zukauf von OMS in Arheilgen. Damit konnte er das Spektrum auf computergesteuerte Dreh- und Frästeile erweitern. Auch der Umsatz hatte sich in den beiden Anfangsjahren bereits vervierfacht. 2008 legte er beide Arheilger Standorte in der Röntgenstraße zusammen und investierte in drei CNC-Dreh- und Fräsmaschinen. Anfang 2009 folgte dann der Umzug in die Kleyerstraße in die ehemaligen Räume der Refa-Druckerei. Zwei Drittel der Fläche hat Benz angemietet, den Rest MCT, ein Spin-Off der Darmstädter Carl Schenck AG.
Fast schon klinisch rein wirkt die Fertigungshalle, in der die CNC-gesteuerten Maschinen laufen. „Wo es sauber ist, kann man gut arbeiten“, lautet der Wahlspruch des Firmenchefs. Der gelernte Feinmechaniker weiß wovon er spricht und hält seine Mitarbeiter dazu an, freitags die Maschinen komplett zu reinigen. Schließlich will Benz mit der Medizin- und Pharmabranche ins Geschäft kommen, da werde Wert auf Sauberkeit in der Produktion gelegt.
Hatte B&S Zerspanungstechnik bislang nur einen Weg gekannt, nämlich den nach oben, ist es in diesem Jahr anders. „Ich bin froh, wenn ich den Umsatz von 2007 halten kann“, berichtet Benz. Die Wirtschaftskrise habe auch sein Unternehmen erfasst. Aufträge blieben aus, die Kunden investierten nur zögerlich, stünden buchstäblich auf der Bremse. Konnte er 2008 noch 600 000 Euro erlösen,werden es dieses Jahr voraussichtlichwieder 500 000 Euro werden. Mit einer „schwarzen Null“ will er abschließen, hofft dass die Talsohle durchschritten sei.
Um die Schwächephase zu überstehen, musste er imSeptember erstmals für alle sieben Vollzeit- Beschäftigten Kurzarbeit anmelden. Dabei liege ermit seinem ersten „Fünf-Jahres-Plan“ imZielkorridor. In den kommenden zehn Jahren peilt Benz die Produktion von Laborgeräten und Spezialmaschinen an. „Nicht zu viel vornehmen“, lautet aber seine Devise. Eine größere Investition hat er noch vor Augen: eine Fünf-Achs- Fräsmaschine.
Um am Markt bestehen zu können, seien nämlich Präzision und Lieferfähigkeit wichtig. „Einzelanfertigungen könnenwir teilweise in zwölf Stunden produzieren“, stellt er heraus. Und darauf setzt er auch bei der Kundenakquise, die noch zu seinen Aufgaben gehört. Die Buchhaltung hat er bereits an eine seiner drei Teilzeitkräfte abgegeben.
Einmal im Monat setzt Benz eine Mitarbeiterbesprechung an. Dann informiert er über anstehende Projekte und den Geschäftsverlauf. Kaffee und Wasser gibt es gratis, die 38-Stunden-Woche wird flexibel gehandhabt. Das spricht für ein gutes Betriebsklima. Dies scheint aber auch nötig zu sein. Denn Facharbeiter und Nachwuchs fehlen, so Benz. Um künftig gerüstet zu sein, kooperiert er bei der überbetrieblichen Ausbildung mit dem Werkhof Darmstadt und bietet einem Ganzjahrespraktikanten einen Platz. Super-Ideen sind also willkommen.